Chess - Läuferpaar versus Springerpaar

Chess

Läuferpaar versus Springerpaar

Tschechov - 22. Jan '22    
Ich habe mal gelesen, daß zwei Läufer stärker sind als ein Läufer und ein Springer. Wie aber steht es mit dem Duell zwei Läufer versus zwei Springer? Ich habe ebenfalls einmal gelesen, daß es bestimmte Schachvarianten gibt, bei denen sich dieses Duell ergibt (Tschigorin-Variante im Damengambit, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt).
P.S.: Bitte verschont mich mit Platitüden der Marke "Es kommt doch immer auf die Stellung auf dem Brett an".
Voyaman - 22. Jan '22    
In offener Stellung sind zwei Läufer eigentlich immer stärker. Anders herum in geschlossenen Stellungen sind Springer zu bevorzugen, ganz grob umrissen. Natürlich kommt es auch auf die speziellen Stellungsbegebenheiten an 😌
Alapin2 - 22. Jan '22    
Tja, SF Tschechov, in dem Fall kommt man wohl um die erwähnte "Platitude" nicht herum!
Es gibt da z. B. eine berühmte Partie Lasker - Tschigorin (Hastings 1896?) wo das Springerpaar triumphierte. Zig andere Beispiele auch noch.
Ist wie andere Schach regeln auch : "Dame nicht zu früh raus", "Springer am Rand..." "Türme gehören immer hinter Freibauern", usw.
Also, ich versuche mal die Kurzform :
In offenen und vielen halboffenen Stellungen : Läuferpaar!
In verrammelten Positionen oder welchen, wo die Springer bessere Stützpunkte haben : Springerpaar!
Saison - 22. Jan '22    
Ich spiele lieber gegen L als S, ohne S übersichtlicher. Mit S drohen mehr Fallen, natürlich subjektiv.
Alapin2 - 22. Jan '22    
Naja, "Gabel" oder "Spieß", was ist mehr fies?
gammapappa - 22. Jan '22    
Im Endspiel zwei L gegen zwei S mit nicht all zu vielen Bauern hat man mit zwei Läufern auch bei sehr viel schlechterer Stellung gute Chancen Remis zu halten. Man opfert die Läufer gegen die letzten Bauern des Gegners und der steht plötzlich mit zwei Springern da und kann nicht Matt setzen.
Schachaktiv24 - 24. Jan '22    
Im Normalfall sind zwei Läufer gegen zwei Springer der gewinnbringende Vorteil! Es gibt bestimmte Stellungen ( z.B. Tschigorin) wo die Springerseite mithalten kann, dass muss man aber spielen können. Ausnahme ist eine sehr geschlossene Stellung wo vielleicht ein Läufer nicht richtig mitspielen kann.
wodi - 24. Jan '22    
das wichtigste ist: "Es kommt doch immer auf die Stellung auf dem Brett an".
Vabanque - 24. Jan '22    
Die erwähnte 'Platitüde' ist tatsächlich das Einzige, was verlässlich stimmt.

Man kann Richtlinien aufstellen, die häufig zutreffen, man kann sie verfeinern, indem man nach Stellungstypen aufgliedert (was alles hier in diesem Beitrag schon getan wurde), aber letztlich stimmt nur der sinngemäß von Shirov so geäußerte Ausspruch, dass Schach dermaßen konkret ist, dass so etwas wie reine Strategie gar nicht existiert.

Über die Überlegenheit des Läuferpaars ist tatsächlich viel Kontroverses diskutiert worden, auch unter Top-Spielern. Die russische Schule hat den Vorteil des Läuferpaars übrigens immer angezweifelt. Tschigorin bevorzugte das Springerpaar, und auch Smyslov machte sich über die Bevorzugung des Läuferpaars durch westliche GM lustig.

Allerdings sind zwei Läufer tatsächlich meist stärker als Läufer und Springer, weil diese beiden verschiedenen Figuren kein harmonisches Zusammenspiel ergeben. Zwei Springer harmonieren da schon besser, wobei mir am Springer seine Kurzschrittigkeit nicht gefällt. Dafür kann er aber Felder beider Farbe, so dass EIN Springer gegenüber EINEM Läufer im Endspiel manchmal ein Vorteil sein kann, falls die Kampfschauplätze nicht sehr weit auseinanderliegen (was wiederum der Läufer besser schafft).

Generell kann man noch sagen, dass taktisch betonte Spieler die Springer häufig besser schätzen als strategisch betonte Spieler.
Hilfsmatt - 17. Feb '22    
Meine 5 Cent zu dem Thema:

Klar hängt es immer von der konkreten Stellung ab. Angenommen, die Stellung ist so halb offen, ein paar Bauern festgelegt, die meisten beweglich, und es gibt sowohl recht gute Diagonalen als auch ein bis zwei schöne Springerfelder. Außerdem kann keine Seite die Figuren der anderen zu reinen Verteidigern degradieren.

Eigentlich also das Musterbeispiel einer ausgeglichenen Stellung. Dann hat das Läuferpaar zumindest einen Vorteil: Auf Diagonalen kann man in der Regel einem Abtausch ausweichen und sie trotzdem weiter kontrollieren, auf einem Feld geht das nicht. Die Läuferpartei hat also unter ansonsten ausgeglichenen Bedingungen in der Regel die Wahl, durch einen Abtausch eines Läufers zum richtigen Zeitpunkt in ein Endspiel Läufer gegen Springer zu transformieren. Ob dieses Endspiel dann besser für den Läufer ist, hängt vom konkreten Fall ab; allgemein ist es aber besser, diese Wahl zu haben, als sie nicht zu haben.

Entzieht sich der Springer dem Abtausch, muss er das starke Feld verlassen. Oder, um das Feld zu halten, den zweiten Springer zur Deckungsfigur degradieren. Dann bindet ein Läufer beide Springer, was der Springerpartei ein Spiel auf Gewinn sehr erschwert.
udo40 - 18. Aug '22    
Läuferpaar ist klar aber was zum Teufel ist ein Springerpaar ? Dasselbe wie ein Turmpaar oder ein Bauernpaar ?